Motorradhelm / Helme für motorisierte Zweiradfahrer
Von: LGL in Partnerschaft mit FachverbandIn diesem Beitrag finden Sie
- Genormte Sicherheit
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Die Wahl der Helmart
- Jet-Helm / City-Helm
- Integralhelm
- Enduro- und Crosshelm
- Klapphelm / Systemhelm
- Motorradbrille
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Helmmaterialien und Aufbau eines Motorradhelms
- Duroplastische Kunststoffe
- Thermoplastische Kunststoffe
- Ein Blick unter die Schale
- Auswahlkriterien
- Fahrkomfort
- Verschlusssysteme
- Helmpflege
Einen neuen Helm kann man gewöhnlich fünf bis sieben Jahre tragen. Ein Helm kann wie neu aussehen und unfallfrei sein, sollte aber aufgrund Materialermüdung nach dieser Zeitspanne ausgemustert werden. Die Preise beginnen bei unter 100 Euro und reichen bis zu mehreren hundert Euro. Obwohl der Preis oft ein Indiz für Qualität ist, gibt es noch eine Reihe anderer Kriterien, auf die man beim Helmkauf achten sollte.
Genormte Sicherheit
Motorradfahrer müssen nach § 21a Abs. 2 der Straßenverkehrs-Ordnung einen "geeigneten Schutzhelm" tragen.
Feuerwehr-, Militär- oder Grubenhelme sind dies nicht, da sie keine ausreichende Schutzwirkung auf dem Motorrad bieten.Die „Economic Comission for Europe“ legt in ihrer Regelung Nummer 22 einheitliche Bedingungen für die Genehmigung von Schutzhelmen und ihrer Visiere für Fahrer und Mitfahrer von Krafträdern und Mopeds fest. Seit Juli 2023 können Helme nur noch nach der aktuell gültigen ECE-R-22.06 geprüft werden und so in den Handel gelangen. Die ECE-R-22.06 ersetzt damit die über 20 Jahre alte Norm ECE-R-22.05.
Wesentliche Punkte der neuen ECE-R-22.06 sind
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Die geänderte Prüftemperatur des Helms bei Kälte,
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Die Prüfung bei höherer Aufprallgeschwindigkeit,
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Die freie Wahl des Aufprallpunkts bzw. Prüfpunktes,
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Die Einführung einer Rotationsprüfung,
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Die Erweiterung der Helmabstreifprüfung nun auch nach hinten,
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Eine Beschussprüfung der Visiere,
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Die Prüfung der Sonnenblenden.
Nach ECE-R-22.05 geprüfte Helme dürfen weiterverwendet werden, es gibt keine Austauschpflicht. Bei einer Neuanschaffung sollte man jedoch auf die aktuellste Prüfnorm achten, da diese die Helme noch sicherer macht.
Die Wahl der Helmart
Jet-Helm / City-Helm

Der Jet-Helm / City-Helm ist in der Gesichtspartie offen, deshalb gehört zu ihm unbedingt eine Motorradbrille zum Schutz der Augen, sofern er nicht mit einem Visier ausgestattet ist. Bei Regen und Kälte wird der Frischluft-Vorteil allerdings schnell zum Nachteil.
Achtung: Gesicht und Kinnpartie sind bei einem Unfall nicht geschützt!
Integralhelm

Wer auf Nummer Sicher gehen will, schützt sich am besten mit einem Integralhelm!
Hier ist der größte „Rundum-Schutz“ geboten, der Kinnschutz fester Bestandteil des Helms.
Diese Helmart ist das ganze Jahr hindurch angenehm zu tragen.
Enduro- und Crosshelme

Enduro- oder Crosshelme sind für Fahrerinnen und Fahrer empfehlenswert, die gerne im Gelände fahren. Die große Visieröffnung sorgt für die bei körperlicher Anstrengung wichtige Luftzufuhr.
Trotzdem ist der Gesichtsschutz durch einen stabilen Kinnbügel gewährleistet.
Zum Crosshelm gehört in der Regel ebenfalls unbedingt eine Motorradbrille. Beim sportlichen Einsatz im Gelände sind zusätzlich Abrissscheiben für klare Sicht erforderlich, die beim Verschmutzen der Brille während der Fahrt abgezogen werden können, ohne anhalten zu müssen.
Klapphelm / Systemhelm
Bei Klapphelmen lässt sich der "Kinnschutz" mitsamt dem Visier nach oben klappen. Nicht nur für Brillenträger ist das Auf- und Absetzen komfortabler.
Um den gleichen Schutz wie ein Integral-Helm zu bieten, muss das Kinnteil mit dem Visier während der Fahrt bei den meisten Klapphelmen geschlossen sein (P-Homologation: Nur als Integralhelm geprüft und zulässig)!
Ohne den Helm abzusetzen, können diverse Tätigkeiten (z.B. trinken, essen, rauchen) bei hochgeklappter Front ausgeübt werden.
Modularhelm
Dieser Helmtyp wird gern mit einem Klapphelm verwechselt. Hier handelt es sich allerdings um die Kombination von Jet- und Integralhelm. So kann der Helm mit geschlossener Kinnpartie und Vollvisier getragen werden oder eben mit nach hinten geschwenktem Kinnteil. Dies dank der P/J-Homologation. Sie sind also als Helm mit Kinnbügel (P) sowie als Helm ohne Kinnbügel (J) geprüft. Damit kann flexibel auf die verschiedenen Situationen reagiert werden.
Motorradbrille

Eine Motorradbrille zeichnet sich durch bruchfestes Glas, eine gute Abdichtung gegen den Fahrtwind und weiche Ränder aus. Die Passform muss ausprobiert werden.
Motorradbrillen unterliegen – anders als Helme und Visiere, die unter die ECE R 22.06 fallen – der Verordnung (EU) 2016/425 des Europäischen Parlaments und des Rates über persönliche Schutzausrüstungen („PSA-Verordnung“) und müssen den Anforderungen der DIN EN 166 „Persönlicher Augenschutz“ entsprechen. Für Schutzbrillen ist eine sogenannte EU- Baumusterprüfung nach Anhang V der PSA-VO vorgeschrieben. Die EU-Baumusterprüfung ist der Teil eines Konformitätsbewertungsverfahrens, bei dem eine notifizierte Stelle den technischen Entwurf einer PSA untersucht und prüft und bescheinigt, dass der technische Entwurf der PSA die Anforderungen dieser Verordnung erfüllt.
Einer Schutzbrille, die nach PSA-VO rechtmäßig in Verkehr gebracht wurde, muss eine deutschsprachige Anleitung beigefügt sein. Darin sind unter anderem Angaben für Lagerung, Reinigung, Wartung, Desinfizierung und Verfallszeit genannt.
Hinweis:
Unter einem Vollvisier können - im Gegensatz zur Motorradbrille - normale Sonnenbrillen aus Kunststoff getragen werden.
Helmmaterialien und Aufbau eines Motorradhelms
Die stabile Außenschale schützt vor Stoß- und Stichverletzungen und verteilt die auftretenden Kräfte auf eine möglichst große Fläche. Zur Herstellung von Helmaußenschalen werden hauptsächlich duroplastische oder thermoplastische Kunststoffe verwendet:
Duroplastische Kunststoffe
Helmschalen aus Duroplast bestehen in der Regel aus unterschiedlichen Werkstoffen, die nach ihrer Aushärtung eine sehr hohe Festigkeit, kombiniert mit guten Dämpfungseigenschaften erreichen. Der Verbund aus Glas- oder Kohlefasermatten, verklebt unter Zugabe von Harz und Härter, wird überwiegend in Handarbeit hergestellt. Die Oberfläche dieser Verbundwerkstoffe hält große Belastungen aus und weist eine hohe Beständigkeit gegenüber UV-Strahlung auf. Zu den Duroplasten gehören z.B. Glas- und Kohlefaser.
Thermoplastische Kunststoffe
Die Helmschale wird aus Materialien wie Polycarbonat (PC), Polyamid (PA) oder Acryl-Butadien-Styrol (ABS). gegossen. Die "Naht", die man bei den unlackierten Helmen sehen kann, stammt aus der zweiteiligen Spritzform; der Helm wird nicht etwa aus zwei Hälften zusammengesetzt. Thermoplastische Kunststoffschalen sind leichter und preiswerter als solche aus GFK.
Nachteile des Materials sind die zum Teil geringere Alterungsbeständigkeit sowie die Empfindlichkeit gegenüber Lösungsmitteln. Lacke, Klebstoffe (z.B. von Aufklebern) und organische Lösungsmittel wie Benzin und Spiritus können das Material angreifen, ohne dass es äußerlich erkennbar wird.
Auswahlkriterien
Wichtig: Vor dem Helmkauf eine mindestens 10-minütige Anprobe! Schon nach relativ kurzer Zeit kann sich herausstellen, ob der Helm an markanten Stellen (Stirn, Ohren, Schläfen) einen punktuellen Druck verursacht. Der Helm muss den Kopf „satt“ umschließen und fest sitzen, ohne unangenehm zu drücken.
Der beste Helm nützt wenig, wenn er nicht richtig sitzt. Die Helme unterschiedlicher Hersteller passen nicht auf jeden Kopf gleich gut. Außerdem spielt auch der subjektive Eindruck eine Rolle, ob man sich unter einem bestimmten Helm wohl fühlt. Selbst wenn die Helmgröße bekannt ist, ist eine Bestellung nach Katalog oder im Internet weniger ratsam. In Fachgeschäften wird der Käufer eine große Auswahl und qualifizierte Beratung finden. Auch der Service nach dem Kauf (z. B. Ersatzvisier) ist wichtig. Helme sollten bei der Anprobe mindestens zehn Minuten aufbehalten werden.
Vor dem Kauf müssen folgende Fragen geklärt werden:
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Drückt der Helm an Stirn, Schläfen oder Wangen? Er soll eng sitzen, aber keine Druckstellen verursachen.
Schütteln Sie kräftig den Kopf. Wackelt der Helm oder sitzt er fest? Fassen Sie den Helm mit beiden Händen seitlich an und versuchen Sie, ihn von hinten nach vorn über den Kopf zu stülpen: Der Helm darf sich dabei nicht abstreifen lassen. Bitten Sie ggf. jemanden, den aufgesetzten Helm hochzuziehen. Geht der Kopf mit oder lässt sich der Helm abstreifen? Denken Sie daran, dass das Innenpolster etwas nachgibt; deshalb auf einen straffen Sitz achten.
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Ist das Innenfutter zum Waschen herausnehmbar? Sind die Wangenpolster austauschbar?
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Lässt sich das Visier auch einhändig und mit Handschuhen leicht öffnen und schließen? Ist das Gesichtsfeld vor allem seitlich groß genug?
Ist das Visier kratzfest und mit einer Antibeschlag-Schicht versehen oder doppelwandig (Pin-Lock)? Kann das nachgerüstet werden?
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Sind Belüftungskanäle an Kinn, Stirn und im Visierbereich vorhanden und ggf. Entlüftungen an der Helmober-und Rückseite?
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Drückt der Kinnriemen am Hals?
Hat der Helm eine gut sichtbare, auffällige Farbe? Ist er bei Dämmerung oder im Dunkeln gut sichtbar?
Für Brillenträger: Ist im Bereich der Ohren genügend Platz vorhanden, um die Brillenbügel problemlos „einfädeln“ zu können? Drücken die Brillenbügel an den Schläfen?
Fahrkomfort
Ob ein Helm beim Fahren mit höherem Tempo immer noch gut sitzt oder vielleicht vom Winddruck hochgeschoben wird, lässt sich erst bei einer Probefahrt feststellen. Nehmen Sie daher Ihr Motorrad zum Helmkauf mit, denn eine Probefahrt mit dem Wunschkandidaten hilft bei der Kaufentscheidung, sofern diese möglich ist. Genauso wichtig ist, dass es nicht durch das Visier zieht und keine unangenehmen Windgeräusche entstehen. Eine Geräuschoptimierung wird zwar von einigen Herstellern im Windkanal betrieben, allerdings ergibt sich das Geräuschverhalten in der Praxis erst aus dem Zusammenspiel von Fahrergröße, Sitzhaltung, Motorrad(-verkleidung) und Helm. Bei Geschwindigkeiten von 150 km/h wurden Lautstärken gemessen, die langfristig Gehörschäden hervorrufen können.
Deshalb sind auf längeren Etappen Gehörschützer empfehlenswert, welche das Gehör schützen, den akustischen Stress reduzieren und dadurch die Konzentrationsfähigkeit erhöhen. Da sie wegen ihrer Dämpfungseigenschaften die Verkehrssicherheit beeinträchtigen können sind allerdings nur bestimmte Gehörschützer für die Benutzung im Straßenverkehr erlaubt. Eine Liste der für den Straßenverkehr zugelassenen Gehörschützer gibt es beim Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA).
Verschlusssysteme
Zum Schließen des Helms gibt es unterschiedliche Systeme: Kinnriemen können z.B. mit Drucktasten oder Ring-Verschlüssen versehen sein.
Jedes System hat seine Vor- und Nachteile. Als sehr sicher hat sich der Doppel-D-Ring-Verschluss etabliert, da er bei jeder Nutzung durch das Festzurren optimal angepasst wird.
Beachten sollten Sie aber auf jeden Fall, dass der Kinnriemen während der Fahrt fest geschlossen ist und sein Sitz von Zeit zu Zeit nachreguliert werden muss.
Vor JEDER Fahrt muss der Kinnriemen also geschlossen sein!
Nach einem Unfall muss der Helm von einem Helfer leicht abgenommen werden können. Über die Bedienung des Verschlusssystems kann den Ersthelfer ein Aufkleber mit helmverträglichem Klebstoff informieren, der beim Institut für Zweiradsicherheit für die gebräuchlichsten Verschlüsse erhältlich ist.
Bild: Institut für Zweiradsicherheit
Helmpflege
Das Visier sollte oft, aber ausschließlich mit (warmem) Wasser gereinigt werden, dem Sie etwas Seife zusetzen können. Gehen Sie dabei vorsichtig vor, damit keine Kratzer entstehen!
Kratzer können die Sicht - vor allem bei Regen und Dunkelheit - gefährlich beeinträchtigen. Ganz vorsichtig sollten Sie bei einer beschlaghemmend beschichteten Innenseite vorgehen. Zur gründlichen Reinigung empfiehlt es sich, das Visier abzubauen und die Mechanik vor dem Zusammenbau mit Vaseline zu schmieren.
Im Fachhandel werden Mittel gegen ein Beschlagen der Visier-Innenseite sowie für leichtes Abperlen der Regentropfen von der Visieroberfläche angeboten. Ebenso für die schnelle Reinigung von Visier und Innenausstattung.
Neben dem regelmäßigen Visier-Putz ist auch die Innenreinigung des Helmes von Zeit zu Zeit sinnvoll. Viele Modelle haben inzwischen ein herausnehmbares, waschbares Futter. Mit normalem Polsterreiniger (Autozubehör) oder speziellem Reinigungs-Schaum kann das Innenfutter älterer Helme gesäubert werden.
Niemals sollte der Helm mit Kraftstoff oder Lösungsmitteln gesäubert werden! Kunststoffe reagieren oft äußerst sensibel auf diese.
Zur schonenden Aufbewahrung des Helms - am parkenden Motorrad, im Gepäckkoffer oder bei der Überwinterung im Schrank - ist ein Textilsack empfehlenswert.
Nach einem Unfall oder Sturz muss der Helm ausgewechselt werden! Auch wenn keine äußeren Beschädigungen sichtbar sind. Durch Schlag- und Stoßeinwirkung kann sich die dämpfende Styroporkalotte dauerhaft verformt haben. Die Materialstruktur der Außenschale und der Dämpfungselemente kann sich verändern und die Fähigkeit verlieren, Energie aufzunehmen und zu verteilen. Ein zuverlässiger Schutz ist dann nicht mehr gewährleistet.
Der Freistaat Bayern stellt Ihnen auf dieser Website unabhängige, wissenschaftsbasierte Informationen zum Verbraucherschutz zur Verfügung.
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Hein - Gericke: Bild Motorradbrille
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