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Koscher

Von: Gisela Horlemann - VerbraucherService Bayern

Alle großen Religionen haben ihre traditionellen Ernährungsgewohnheiten. Dies schließt nicht nur ein, welche Lebensmittel gerne gegessen werden, sondern auch Auswahl und Zubereitung. Das ist auch bei den jüdischen Speisegesetzen so.

Gläubige Juden müssen viele Gebote beachten.



In diesem Beitrag finden Sie

  • Jüdische Speisegebote - „koscher“ und "nicht koscher" oder „treife“
  • Milch und Fleisch sind zu trennen
  • Koscheres Fleisch - schächten
  • Welche Lebensmittel sind koscher oder sollten gemieden werden
  • Zertifizierung
  • Einkauf von koscheren Lebensmitteln

Jüdische Speisegebote - „koscher“ und „nicht koscher" oder „treife“

Die traditionellen jüdischen Reinheitsgebote gehen zurück auf Moses, der sie von Gott empfangen hat. Diese Ernährungsregeln - was rein ist, also koscher und was nicht koscher ist - wurden im Laufe der Jahrhunderte konkretisiert und präzisiert und werden unter dem Begriff Kaschrut zusammengefasst. Dabei gibt es zwischen verschiedenen jüdischen Glaubensrichtungen Unterschiede. Im Zweifelsfall hilft ein Gelehrter weiter.

Nach der Bibel (Tora/ Thora /Thorah) darf ein Jude kein Blut essen und er darf „das Zicklein nicht in der Milch der Mutter zubereiten“. Das sind die Grundlagen für zwei wesentliche Speisegesetze, denn Juden dürfen Milch und Fleisch nicht gemeinsam zubereiten und essen.

Milch und Fleisch sind zu trennen

Fleisch wird auch von Juden gerne gegessen. Doch wenn Fleischspeisen gegessen wurden, müssen etwa sechs Stunden vergehen, ehe man milchige Gerichte zu sich nehmen darf. Bei milchigen Speisen, die leichter und schneller verdaulich sind, ist die Wartezeit kürzer, hier genügt eine halbe Stunde bis Gerichte mit Fleisch gegessen werden dürfen. Aber auch hier gibt es unterschiedliche Anweisungen. Im Notfall hilft ein Gelehrter weiter.

Für Fleisch und Milchprodukte muss getrenntes Geschirr verwendet werden, ebenso muss die Lagerung getrennt erfolgen. Jeder jüdische Haushalt benötigt daher entsprechende Mengen an Geschirr und Kochutensilien.

Fische, Eier, Gemüse und Obst sind neutral, sie sind „parwe“ oder „parve“ und dürfen sowohl mit Milchspeisen als auch mit Fleischspeisen zubereitet und gegessen werden.

Koscheres Fleisch - schächten

Juden dürfen kein Aas, kein krankes Tier und kein Tier essen, das nicht nach jüdischen Regeln geschlachtet wurde. Diese Art des Tötens, das Schächten, nach den traditionellen jüdischen Riten wird von geschulten Experten vorgenommen, die dazu eine koschere Klinge verwenden müssen. Das betäubungslose Schlachten (Schächten) ist in Deutschland aus Tierschutzgründen grundsätzlich verboten (§ 4 a Tierschutzgesetz). Es darf nur in Ausnahmefällen vorgenommen werden, wenn besondere religiöse Vorschriften ein Schächten zwingend vorschreiben.

Das Fleisch muss vollständig entblutet sein. Erst wenn es zusätzlich gespült, gesalzen und von allem Blut befreit ist, darf es gekocht und verzehrt werden.

Welche Lebensmittel sind koscher oder sollten gemieden werden

  • Alle frischen Obst- und Gemüsesorten, Mehl, Zucker und Salz sind koscher

  • sämtliche Fruchtsäfte (100 Prozent Fruchtgehalt) außer Traubensaft

  • Wasser und auch Bier sind ebenfalls uneingeschränkt koscher

  • koschere Fische müssen Schuppen und Flossen haben; daher werden diese für den Verkauf an dem Tier belassen. Folgende Fischsorten sind koscher: Kabeljau, Flunder, Heilbutt, Hering, Makrele, Lachs, Forelle und Karpfen

  • erlaubt sind Säugetiere, die wiederkäuen, vier Füße und gespaltene Hufe haben, das sind Rind, Schaf oder Ziege. Auch Hühnerfleisch ist erlaubt

  • Hirsch und Reh sind zugelassen, wenn sie geschlachtet wurden und nicht auf der Jagd geschossen wurden

  • Vögel dürfen ebenfalls gegessen werden

  • Kamele, Kaninchen, Hasen oder Wildgeflügel sind nicht koscher

  • Vorverarbeitete Lebensmittel müssen geprüft sein (koscher)

Juden wird empfohlen, Fleisch und Geflügel bei einem koscheren Metzger zu kaufen, um sicherzugehen, dass das Fleisch auch koscher ist.

Alkohol darf getrunken werden. Er muss aber koscher produziert sein. So darf beispielsweise keine tierische Gelatine zum Klären verwendet werden.

Zertifizierung

Die Zertifizierung von Lebensmitteln übernehmen Rabbiner, die dafür ausgebildet sind. Dies wird immer komplexer, da immer mehr Zusatzstoffe verwendet werden dürfen. Das Identifizieren der Zutaten ist eine Herausforderung für eine Koscher-Bescheinigung. Denn es muss immer wieder ausgeschlossen werden, dass tierische und milchige Bestandteile gleichzeitig im Lebensmittel enthalten sind.

Dabei gibt es unterschiedliche Koscher-Bescheinigungen oder Koscher-Siegel. Hier hilft im Zweifelsfall ein Gelehrter weiter.

Einkauf von koscheren Lebensmitteln

Einkaufen ist für Juden beschwerlich, denn die wenigsten Lebensmittel tragen Koscherbescheinigungen oder ein Koscher-Siegel. Viele Unternehmen befürchten eine Ablehnung ihrer zertifizierten Produkte, durch die nicht jüdische Bevölkerung.

Um den Einkauf zu erleichtern, gibt die Rabbiner-Konferenz eine Koscherliste für Lebensmittel heraus. Aber auch weitere Unternehmen bieten koschere Genüsse. Es lohnt sich oft auf den Webseiten nachzusehen.

Auch wurde in den letzten Jahren ein Internet-Liefersystem für koschere Lebensmitteln aufgebaut.

Bildnachweis:
107301799 koscher © Argus - Fotolia.com

Mehr zum Thema

  • Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern, koscheres Essen
  • Tierschutz-Gesetz insbesondere § 4a
  • Orthodoxe Rabbinerkonferenz: Koscher-Liste für Lebensmittel

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  • Halal
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Stand: 22.10.2024
Autor: Gisela Horlemann - VerbraucherService Bayern
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