Multi-Level-Marketing: Kaufen und Verkaufen über persönliche Kontakte
Von: Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz

In diesem Beitrag finden Sie:
- Was ist Multi-Level-Marketing?
- Ist Multi-Level-Marketing erlaubt?
- Wie sind die Verdienstmöglichkeiten?
- Wie erkennt man, ob es sich um unseriöses Multi-Level-Marketing handelt?
Was ist Multi-Level-Marketing?
Multi-Level-Marketing ist eine besondere Vertriebsform. Neben dem Verkauf von Produkten sollen konstant neue Verkäuferinnen und Verkäufer geworben werden, die die Produkte dann ebenfalls vertreiben. Verkauft die angeworbene Person dann Produkte, erhält die Person, die sie angeworben hat, eine Provision auf Basis dieser Verkäufe. Multi-Level-Marketing wird in vielen Branchen eingesetzt und spricht je nach Produkt unterschiedliche Menschen an. Das Modell wird dabei in vielen unterschiedlichen Branchen genutzt und ist nicht auf Waren begrenzt. Auch Dienstleistungen können über das MLM-System angeboten werden. Verkauft werden z. B. Versicherungen oder Finanzanlagen, Haushaltsgeräte, Deko und Zubehör, Nahrungsergänzungsmittel oder Kosmetik-, Beauty- und Lifestyle-Produkte.
Ist Multi-Level-Marketing erlaubt?
Der Absatz über ein Multi-Level-Marketing-System ist grundsätzlich erlaubt, solange es sich nicht hauptsächlich darauf stützt, dass Verkäuferinnen und Verkäufer nur durch die Werbung weiterer Verkäufer Geld verdienen können. Problematisch ist, dass die Grenzen zu illegalen Schneeballsystemen und unseriösen Multi-Level-Marketing-Anbietern fließend sind.
Bei seriösen Anbieter steht der Verkauf des Produktes im Vordergrund. Verkäuferinnen und Verkäufer des Produktes erhalten ausführliche und klar verständliche Informationen über die Verdienstmöglichkeiten, die Kosten und den Zeitaufwand. Eine hohe Vorleistung für Vorführprodukte oder der Kauf auf Vorrat von Produkten über den eigenen Bedarf hinaus ist nicht vorgesehen. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, die Ware zurückzugeben. Dadurch werden hohe finanzielle Risiken für die angeworbenen Personen vermieden.
Vorsicht ist jedoch geboten, wenn Anbieter damit werben, dass sich mit wenig Einsatz viel Geld verdienen lässt. Die Erstausstattung wird dann jedoch oft zu sehr hohen Preisen verkauft bzw. müssen Verkäuferinnen und Verkäufer verpflichtend an teuren Schulungen teilnehmen. Die angebotenen Schulungen konzentrieren sich vor allem darauf, neue Verkäuferinnen und Verkäufer anzuwerben. Es muss eine Mindestmenge des Produktes abgenommen werden, wobei das Produkt sich jedoch häufig nur schwer an weiterverkaufen lässt. Und schließlich gibt es keine Möglichkeit, unverkaufte Produkte oder die Erstausstattung zurückzugeben. Zudem werden die Produkte oft zu unverhältnismäßig hohen Preisen verkauft, obwohl die Qualität zu wünschen übrig lässt. Oft werden große Versprechungen gemacht, die die Produkte nicht oder nicht im beworbenen Umfang erfüllen. Ein Beispiel ist, wenn ein besonderes Luftdesinfektionssystem oder die Heilung von Krankheiten aufgrund besonderer Frequenzen versprochen wird oder wen die Produkte bei anderen Händlerinnen und Händlern ohne Multi-Level-Marketing sehr viel günstiger erworben werden können.
Auch unseriöse Coaching-Angebote tauchen im Zusammenhang mit Multi-Level-Marketing auf. Weitere Informationen zum Coaching sind auf der Webseite der Verbraucherzentrale Bayern zu finden.
Wie sind die Verdienstmöglichkeiten?
Die meisten Verkäuferinnen und Verkäufer im Multi-Level-Marketing investieren mehr Geld als sie verdienen und machen somit Verlust. Eine Studie der amerikanische Federal Trade Commission (FTC) hat festgestellt, dass 99 Prozent aller Verkäuferinnen und Verkäufer nach Abzug von Steuern und Ausgaben Geld verlieren. Als Nebenjob eignet sich die Mitarbeit über ein Multi-Level-Marketing System damit nicht. Eine Studie, die Multi-Level-Marketing speziell in Deutschland betrachtet, gibt es derzeit noch nicht.
Wie erkennt man, ob es sich um unseriöses Multi-Level-Marketing handelt?
Inzwischen wird Multi-Level-Marketing verstärkt über die sozialen Medien betrieben. Da mittlerweile mehr Menschen über die Vertriebsstruktur aufgeklärt sind, versuchen insbesondere die Verkäuferinnen und Verkäufer von unseriösen Anbietern die Vertriebsstruktur zu verschleiern. Vielmehr sollen Verbraucherinnen und Verbraucher den Eindruck bekommen, dass es sich um einen normalen Direktvertrieb handelt, bei dem es nicht darum geht, Verkäuferinnen und Verkäufer anzuwerben.
Indizien, dass es sich bei der Vertriebsstruktur um unseriöses Multi-Level-Marketing handelt, sind zum Beispiel :
- Die Verkaufenden betonen, wie viel ihnen der Verkauf des Produktes ermöglicht. Dies wird durch die Darstellung eines luxseriösen Lebensstil unterstrichen.
- Oft werden zum genauen Verdienst und dem Ablauf jedoch nur Andeutungen gemacht. Interessierte sollen sich über die private Kanäle melden oder einen bestimmten Begriff kommentieren, wenn sie mehr Informationen für die Verdienstmöglichkeit erfahren wollen.
- Die Verkäuferinnen und Verkäufer des Produktes sind auffällig oft in Foren, Kommentaren oder Livestreams zu finden, in denen sie ihre eigenen positiven Erfahrungen anpreisen, ohne offenzulegen, dass sie selbst das Produkt verkaufen und deshalb ein Interesse an dem Absatz des Produktes haben. Durch einen Klick auf die Profile lässt sich dies jedoch meist feststellen.
- Es gibt Hinweise in den Kommentaren, dass es sich um unseriöse Angebote handelt und/oder es gibt Hinweise, dass Kommentare gelöscht werden, die auf die Vertriebsstruktur hinweisen.
Bevor Sie sich dazu entscheiden, sich selbst als Verkäuferin oder Verkäufer eines Produktes anwerben zu lassen, sollten Sie sich genau über das Unternehmen informieren. Vor allem sollten Sie dabei nicht auf die Aussagen der Anwerbenden vertrauen, sondern selbst Erfahrungsberichte im Internet überprüfen. Bekommen sie keine transparenten Aussagen darüber wie hoch der Verdienst ausfällt und wie viel Geld sie investieren müssen, bzw. ist diese Investition sehr hoch, sollten Sie davon absehen, als Verkäuferin oder Verkäufer tätig zu werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie mit großen finanziellen Verlusten enden, ist hoch.
- Schenkkreise: Finger weg von Pyramiden- und Schneeballsystemen!
- Health-Claims – Gesundheitsbezogene Werbung (Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit )
- Werbung durch Ansprechen im öffentlichen Raum: Was ist erlaubt?
- Missbrauch: Falsche Werbung mit Testurteilen erkennen (Stiftung Warentest)
- IInfluencer Marketing & Co: Neue Formen der Werbung in sozialen Medien
- Multi-Level-Marketing: Produkte auf Vertrauensbasis kaufen (Verbraucherzentrale )
- Job oder Flop: So erkennt man unseriöse Nebenverdienste
Der Freistaat Bayern stellt Ihnen auf dieser Website unabhängige, wissenschaftsbasierte Informationen zum Verbraucherschutz zur Verfügung.
Einzelfallbezogene Rechtsauskünfte und persönliche Beratung können wir leider nicht anbieten. Auch dürfen wir Firmen, die sich wettbewerbswidrig verhalten, nicht selbst abmahnen.
Sollten noch Fragen zu Ihrem konkreten Sachverhalt verbleiben, wenden Sie sich bitte an die unter Service genannten Anlaufstellen.