Bonus-Apps der Supermärkte: Rabatte gegen Daten – ein fairer Deal?
Von: Andrea Estermeier – VerbraucherService Bayern e. V.
Digitale Kundenbindungsprogramme sind aus dem Alltag vieler Verbraucherinnen und Verbraucher nicht mehr wegzudenken. Fast alle großen Handelsketten locken mit eigenen Apps, die exklusive Rabatte, digitale Kassenbons und bequeme Bezahlfunktionen versprechen. Doch hinter der vermeintlichen Spar-Idee lauern Risiken, die Verbraucherschützer seit Jahren kritisch begleiten. Wir geben einen Überblick.
In diesem Beitrag finden Sie:
- Die Vorteile: Komfort und kleine Ersparnisse
- Die Nachteile: Daten als Währung
- Rechtliche Aspekte: Was sagt das Gesetz?
- Probleme und Risiken für Verbraucher
- Aktuelle Verfahren und Ausblick
- Fazit: Wachsam bleiben
Die Vorteile: Komfort und kleine Ersparnisse
Auf den ersten Blick wirken Bonus-Apps attraktiv:
- Rabatte und Coupons: Viele Produkte sind nur über die App günstiger erhältlich.
- Digitale Services: Einkaufslisten, eBons und Rezeptideen erleichtern den Alltag.
- Treueprogramme: Punkte sammeln und gegen Guthaben eintauschen – ein bekanntes Prinzip, nun digital umgesetzt.
Gerade in Zeiten steigender Preise erscheint jede Möglichkeit zum Sparen willkommen. Doch lohnt sich der Aufwand wirklich? Erfahrungsberichte zeigen: Die tatsächliche Ersparnis liegt oft nur bei ein bis drei Prozent des Einkaufswerts.
Die Nachteile: Daten als Währung
Der Preis für die Rabatte ist nicht monetär, sondern digital: persönliche Daten.
- Umfangreiche Datenerhebung: Standort, Kaufverhalten, Geburtsdatum – all das wird gespeichert und ausgewertet.
- Profilbildung und Werbung: Händler erstellen detaillierte Kundenprofile, um personalisierte Angebote auszuspielen. Das kann zu mehr Spontankäufen und einer subtilen Steuerung des Konsumverhaltens führen.
- Transparenzprobleme: Viele Nutzer wissen nicht, wie weitreichend die Datennutzung ist. Verbraucherschützer sprechen von „Rabatte gegen Daten“ – einem Tauschgeschäft, das oft nicht klar kommuniziert wird.
Rechtliche Aspekte: Was sagt das Gesetz?
Die zentrale Frage lautet: Ist die Preisgabe von Daten eine „Gegenleistung“ im Sinne des deutschen Rechts?
Das Oberlandesgericht Stuttgart hat hierzu im Jahr 2025 entschieden: Nein. Nach deutschem und europäischem Recht versteht man unter „Preis“ einen Geldbetrag, nicht die Bereitstellung persönlicher Daten. Die Bewerbung einer App als „kostenlos“ ist daher nicht irreführend, auch wenn Daten erhoben werden.
Allerdings bleibt die Pflicht zur Transparenz bestehen. Nach DSGVO müssen Unternehmen klar und verständlich über die Datenerhebung und -verwendung informieren. Verstöße gegen Informationspflichten können Bußgelder nach sich ziehen. Besonders kritisch sind Praktiken wie die Weitergabe von Daten an Drittländer oder automatisierte Profilbildung, die unter Art. 22 DSGVO fällt.
Probleme und Risiken für Verbraucher
- Datenschutz: Wer Rabatte nutzt, gibt oft mehr preis als gewollt. Standortdaten und Kaufhistorien können Rückschlüsse auf persönliche Lebensumstände zulassen – bis hin zu sensiblen Informationen wie Schwangerschaft oder Gesundheitspräferenzen.
- Psychologische Tricks: Zeitlich begrenzte Angebote und exklusive Coupons setzen Verbraucher unter Druck und fördern Impulskäufe.
- Digitale Exklusion: Wer kein Smartphone besitzt und die Bonus-Apps daher nicht nutzen kann oder aber auch bewusst nicht nutzen möchte, wird von bestimmten Vorteilen ausgeschlossen – eine Entwicklung, die soziale Ungleichheit verstärken oder ein Gefühl der Diskriminierung hervorrufen kann.
Aktuelle Verfahren und Ausblick
Die Klage des Verbraucherzentrale Bundesverbands gegen Lidl wegen der „Lidl Plus“-App hat die Debatte neu entfacht. Auch wenn die Unterlassungsklage vorerst scheiterte, könnte eine Revision bis zum Bundesgerichtshof oder sogar zum Europäischen Gerichtshof führen. Ein Urteil zugunsten der Verbraucherschützer hätte weitreichende Folgen für die gesamte Branche.
Fazit: Wachsam bleiben
Bonus-Apps sind kein Teufelswerk, aber auch kein Geschenk. Wer sie nutzt, sollte
- Datenschutzeinstellungen prüfen und unnötige Berechtigungen deaktivieren,
- Angebote kritisch vergleichen – nicht jedes „Schnäppchen“ ist wirklich günstig und
- sich bewusst machen, dass: Rabatte selten gratis sind, sondern oft der Preis für persönliche Daten.
Verbraucherschützer fordern klare Regeln wie mehr Transparenz, weniger Datenhunger und faire Alternativen für alle Kundinnen und Kunden. Bis dahin gilt: Augen auf beim digitalen Einkauf.
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