Elektro- und Elektronikgeräte nachhaltig nutzen

In diesem Beitrag finden Sie
- Elektroschrott als Rohstoff?
- Ökobilanzen
- Tipps für den Gerätekauf
- Tipps zur Produktnutzung
- Verkauf funktionsfähiger Altgeräte
- Defekte Geräte reparieren
- Entsorgung & Recycling
Elektroschrott als Rohstoff?
Elektro- und Elektronikgeräte sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Sie bestehen zu einem Großteil aus Metallen, Kunststoffen und Glas. Vor allem Metalle und Seltene Erden sind nur begrenzt verfügbar. Oft sind sogenannte Entwicklungsländer reich an Rohstoffen – ihr Abbau geht jedoch häufig zu Lasten der Umwelt und der Menschen vor Ort. Schuld sind häufig schwacher Arbeits- und Umweltschutzauflagen. Die Förderung erfordert zudem einen hohen Energieaufwand – dies gilt auch für fossile Rohstoffe, die für die Kunststoffproduktion benötigt werden. Daher stellt sich die Frage, ob die in unseren Elektroprodukten enthaltenen Rohstoffe für neue Produkte wiederverwendet werden könnten („Urban Mining“).
900 Tausend Tonnen Elektroschrott fielen laut Statistischem Bundesamt (2025) 2022 allein in Deutschland an. Der Global E-Waste Monitor 2024 beziffert den weltweit produzierten Elektroschrott für dasselbe Jahr auf 62 Millionen Tonnen. Bis zum Jahr 2030 wird ein erneuter Anstieg von mehr als 30 Prozent erwartet. Da in der EU bislang weniger als 40 Prozent des Elektroschrotts recycelt werden - bis zu 4,7 Mio. Tonnen sollen zudem falsch bzw. illegal entsorgt werden -, bleibt das Potenzial als urbane Rohstoffquelle seit Jahren hinter den Möglichkeiten zurück. Ein Smartphone z. B. enthält mehr als 60 verschiedene Materialien, darunter begehrte Metalle wie Gold, Silber, Kupfer, Kobalt und Palladium. Deren Gewinnung hat einen enormen Umwelt- und Klimaeffekt. Ein Beispiel: Um nur 0,034 Gramm Gold zu gewinnen, die in einem durchschnittlichen Smartphone enthalten sind, müssen etwa 100 Kilogramm Gestein und Abraum bewegt werden – häufig unter Einsatz hochgiftiger Chemikalien wie Zyanid. Dabei entstehen erhebliche Mengen an Sondermüll und umweltbelastenden Rückständen.
In Deutschland wächst der Berg aus ausrangierten Geräten und Elektroschrott besonders stark So bewahren die Bundesbürgerinnen und Bundesbürger aktuell rund 195 Millionen ungenutzte Handys oder Smartphonesbei sich zu Hause auf. Das ist das Ergebnis einer Berechnung des Digitalverbands Bitkom auf Basis einer repräsentativen Befragung von 1.005 Personen in Deutschland ab 16 Jahren aus dem Jahr 2024. Allein durch das Handy-Recycling könnten rechnerisch 2-3 Millionen Tonnen Golderz eingespart und unnötige Umweltbelastungen reduziert werden.
Woher kommt der Elektroschrott?
In absoluten Zahlen sind China, USA und Indien die größten Produzenten von Elektroschrott. Deutschland zählt zu den 10 größten Produzenten weltweit (2022).
Zum Vergleich: In Deutschland fallen jährlich rund 22 Kilogramm Elektroschrott pro Person an. In Afrika sind es im Durchschnitt etwa 2,5 Kilogramm pro Person – also weniger als ein Achtel davon.
Aussortierte Elektrogeräte aus Europa landen nach wie vor auf illegalen Müllhalden in Ländern des Globalen Südens – insbesondere in Ghana, Togo oder der Elfenbeinküste. Dort werden sie häufig unter gesundheits- und umweltgefährdenden Bedingungen zerlegt oder verbrannt, da geeignete Recyclinganlagen fehlen. Schadstoffe wie Blei, Quecksilber oder bromierte Flammschutzmittel werden dabei freigesetzt und gefährden vor Ort gleichermaßen Umwelt und Gesundheit.
Gemäß EU-Abfallverbringungsverordnung (EG Nr. 1013/2006) ist der Export von Elektroschrott in Staaten außerhalb der EU, die keine gleichwertigen Recyclingstandards besitzen, verboten. Dennoch gelangen jährlich erhebliche Mengen auf inoffiziellen Wegen dorthin.
Die Rückgewinnung vorhandener Ressourcen in Elektrogeräten verdient daher besondere Aufmerksamkeit. Aufgrund geringer Konzentrationen und der Recyclingfähigkeit von alten Geräten ist dies nicht selten eine technische und wirtschaftliche Herausforderung. Einen entscheidenden Beitrag zur Verringerung der Umweltauswirkungen leistet das Produktdesign: Geräte, die langlebig, reparierbar und recyclingfähig sind, schonen Ressourcen und vermeiden Abfälle. Auf EU-Ebene bildet die Ökodesign-Richtlinie (ESPR) den Rechtsrahmen für Anforderungen an die umweltgerechte Gestaltung von Produkten über den gesamten Lebenszyklus. In Deutschland gilt zudem das Energieverbrauchsrelevante-Produkte-Gesetz (EVPG).
Ökobilanzen und Lebenszyklus von Geräten und Dienstleistungen
Jedes Produkt und jede Dienstleistung belastet durch Rohstoffgewinnung, Produktion, Transport, Nutzung und Entsorgung die Umwelt zu einem gewissen Grad. Ökobilanzen (auch Lebenszyklusanalysen) erfassen diese Belastung genauer. Grundsätzlich können Produkte und Dienstleistungen branchenübergreifend ökologisch erfasst, bewertet, verglichen und optimiert werden. Beispielsweise werden Ökobilanzen bei der Produktbewertung durch das Umweltzeichen „Blauer Engel“ herangezogen, um Produkte mit geringer Umweltbelastung zu identifizieren und Verbraucherinnen und Verbrauchern eine fundierte Entscheidungshilfe zu bieten. In erweiterten Nachhaltigkeitsbewertungen können zusätzlich soziale oder ökonomische Kriterien berücksichtigt werden.
Tipps für den Gerätekauf
Viele Fachleute sowie die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass das E-Schrott-Problem weltweit weiter zunehmen wird. Das können Verbraucherinnen und Verbraucher tun:
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Klären Sie vor dem Kauf, wie häufig ein Gerät genutzt werden soll. Benötigen Sie z. B. die Bohrmaschine nur für ein Loch in der Wand, leihen Sie diese lieber aus.
- Beachten Sie, wofür Sie das Elektrogerät einsetzen möchten und dimensionieren Sie bedarfsgerecht (ein Ein-Personen-Haushalt braucht keinen XXL-Kühlschrank). Nicht immer ist die leistungsstärkste Ausstattung automatisch die beste Lösung.
- Kaufen Sie Geräte gebraucht oder „refurbished“. Hochwertig aufbereitete Produkte sparen Rohstoffe und sind meist deutlich günstiger.
- Achten Sie beim Gerätekauf auf das EU-Energielabel: der jährliche Stromverbrauch ist hier ein wichtiger Vergleichswert.
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Achten Sie beim Einkauf auf eine möglichst lange Lebensdauer von Produkten (z. B. über Produkttests von Stiftung Warentest) sowie auf Herstellergarantien und regelmäßige Software- und Sicherheits-Updates. Fehlende Updates können ein vorzeitiges Aus für Geräte bedeuten.
- Langlebige Produkte sind umweltfreundlicher. Fragen Sie nach, wie reparaturfreundlich das Gerät ist und wie lange Ersatzteile zur Verfügung stehen. Geräte mit modularem Aufbau erleichtern Reparaturen und verlängern die Nutzungsdauer erheblich.
- Grundsätzlich reduziert eine kurze Transportdistanz Emissionen. Vermeiden Sie unnötige Transporte, bündeln Sie Bestellungen oder wählen Sie Anbieter mit nachvollziehbarer Klimakompensation.
- Nachhaltigkeit beginnt auch nach dem Kauf: Schalten Sie Geräte ganz aus statt in den Stand-by-Modus, reinigen und warten Sie sie regelmäßig.
Die gängigsten Labels sind
EU-Energie-Label |
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(nur eingeschränkt empfehlenswert) |
Tipps zur Produktnutzung
Es lohnt sich, Energiefresser im Haushalt zu identifizieren und ggf. auszutauschen. Wartung und Pflege verlängern die Lebensdauer von Produkten. Eine umfangreiche Übersicht an Tipps finden Sie in der Rubrik Energiesparen.
Verkauf funktionsfähiger Altgeräte
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Verkaufen Sie Ihre Altgeräte über Auktionsportale oder Kleinanzeigenplattformen.
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Auf Gebrauchtportalen können Sie im Vorfeld online ermitteln, welche Plattform in etwa welche Summe für das Altgerät zahlen würde.
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Fördern Sie das Gemeinwesen und spenden Sie das Altgerät entsprechenden lokalen Sammelstellen. In größeren Metropolen werden zudem sogenannte Umsonstläden betrieben. Hier kauft man ohne zu Bezahlen ein oder kann nicht mehr benötigte Produkte vorbeibringen.
Defekte Geräte reparieren
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Machen Sie von Ihrem Recht auf Gewährleistung und Garantie Gebrauch.
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Im Internet bietet eine weltweite Community unter IFIXIT kostenlose Reparaturhandbücher für fast alles an.
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Alternativ kann in sogenannten Repair Cafés unter technischer Anleitung gemeinsam repariert werden.
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Schließlich können Sie ihr defektes Gerät zu einem Reparaturdienst bringen. Lassen Sie sich vorab einen Kostenvoranschlag erstellen.
Entsorgung & Recycling
Die europäische WEEE-Richtlinie (engl.: Waste of Electrical and Electronic Equipment), wird in Deutschland durch das Elektro- und Elektronikgerätegesetz (ElektroG) umgesetzt (Seit 2022 gilt das novellierte ElektroG 3). Demnach darf Elektroschrott nicht über den Hausmüll entsorgt werden. Die fachgerechte Entsorgung ist jedoch ausschlaggebend, damit Rohstoffe wiederverwertet oder umweltfreundlich entsorgt werden können. Haushaltsübliche Mengen können in den meisten Kommunen bei lokalen Sammelstellen kostenfrei abgegeben werden.
Elektronische Kleingeräte wie defekte Toaster und DVD-Player können seit 2016 kostenlos bei jedem Elektrohändler zurückgeben werden, der eine Verkaufsfläche für Elektronik- und Elektrogeräte von mindestens 400 Quadratmeter hat. Dieses Recht haben Sie unabhängig davon, ob Sie das defekte Geräte dort gekauft haben oder nicht. Alternativ bieten auch einige Unternehmen Ihren Kundinnen und Kunden an, Handys oder Elektrokleingeräte per Post einzuschicken.
Seit Juli 2022 gilt die Pflicht zur kostenlosen Rücknahme von Altgeräten auch für Händler von Lebensmitteln (z.B. Supermärkte und Lebensmitteldiscounter) mit einer Gesamtverkaufsfläche von mindestens 800 Quadratmetern, die mehrmals im Kalenderjahr oder dauerhaft Elektro- und Elektronikgeräte anbieten und auf dem Markt bereitstellen.
Diese Rücknahmepflicht gilt auch für den Versand- und Onlinehandel. In dem Fall bezieht sich die Mindestfläche von 400 Quadratmetern auf die gesamte Lager- und Versandfläche des Händlers. Ob Sie Ihre Altgeräte einfach kostenlos an den Händler schicken können oder dieser eine andere Form der Rücknahme einrichtet, bleibt dem Händler überlassen.
Ab 2026 soll der Digitale Produktpass (DPP) schrittweise für Elektrogeräte eingeführt werden. Über einen QR-Code können Verbraucherinnen und Verbraucher dann künftig Informationen zu Materialien, Reparierbarkeit und Recycling abrufen – für mehr Transparenz und bessere Wiederverwertung.
- Tipps zum Energiesparen
- Schneller Rat durch Energiesparsiegel
- Recht auf Reparatur
- Bayerisches Staatsministerium informiert über „Gebraucht kaufen und verkaufen“
- EcoTopTen – Einkaufsführer für ökologische Elektrogeräte
- Umweltbundesamt über Ökodesign
- Podcast "Alte Elektrogeräte richtig entsorgen – So geht's"
Quellen
- BMUB, Elektro- und Elektronik-Altgeräte, 2015
- CWIT, Countering WEEE Illegal Trade Summary Report, 2015 (englisch)
- Umweltbundesamt, Wohin mit dem Elektroschrott?
- Umweltbundesamt, Elektrogeräte
- Die Bundesregierung: Elektrogeräte einfach und richtig entsorgen
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